Durch Nacht und Nebel

Mein Erlebnis in Gülpe – Dunkelster Ort Deutschlands

Seit dem ich vor ein paar Monaten erstmals von Gülpe, einem Ort im Ostprignitzer Naturpark Westhavelland hörte war klar das musst du dir auf jeden Fall einmal ansehen. Also eines Abends ab an den Gülper See und Sterne sehen, fotografieren und evtl. sogar die Mlchstrtaße erwischen.. Schon auf der etwas haarigen Anfahrt (nein ich hab nicht son Dings) gab’s an großen Freiflächen und Senken richtig extreme Nebelfelder.. Auf der Fahrt jedoch bemerkte ich bei einigen Stops schon langsam das es tatsächlig dunkler wurde. Die letzten Meter bis an den Gülper See führ ich auf Nebenstraßen, bzw. Feldwegen schon nur noch Schritt, genoss das Eintauchen in dichte Nebelschwaden, hielt oft an und machte alles Licht aus.. WOW – Schwärze– wie hatte ich das auf unserem letzten Trip in die Andamanensee vermisst, in Deutschland kommt man auf solche Gedanken eigentlich gar nicht mehr, die allgegenwärtige Lichtverschmutzung ist überpräsent.

Endlich am See angekommen fehlte mir dann jedoch jede Orientierung, die pechschwarze Neumondnacht und immer wieder dichte Nebelfelder machten das schlicht unmöglich. Was solls, jetzt gehst du da rein, die Ausrüstung (u.a. 3 Lampen, Stativ, Fotoapparate, Kompass, Tonaufnahmengerät etc) zusammengekramt machte ich mich auf den Weg. Im Vorfeld hatte ich etwas recherchiert, da es sich hier um ein beachtliches Vogelschutzgebiet handelt gibt es irgendwo in 2 km Entfernung einen „Aussichtsturm“ für die vielen Birdwatcher. Da würde ich mich hintasten hatte aber nur vage Google Earth Bilder dabei..

An einer Blockwindmühle angekommen merkte ich dann nach einigen Versuchen einen Weg o.ä. zu finden das es wohl ziemlich orientierungslos bleiben würde, die Lampen blenden einen im Nebel extrem, eigentlich war es wirklich so etwas wie ein Blackout. Immer wieder verharrte ich ohne jedwedes Licht, oft arbeitete die Kamere einige Minuten, nahm ich die Geräusche der Wasservögel auf. Irgendwann jedoch befand ich mich auf einem Deich der sich schön durch den rabenschwarzen Wald schlengelte. Also einfach diesem folgen, schön, doch der Nebel verdichtete sich immer mehr, die letzten Sternenfunkel verschwanden am Himmel.

So wand ich mich also die ganze Nacht durch die dicke Suppe, installierte immer wieder Licht in der Landschaft und machte etliche Langzeitbelichtungen. Gegen 5 Uhr bemerkte ich dann das erste Dämmerungslicht und beschloß den Trip bis Sonnenaufgang und in die Vormittagsstunden fortzusetzen.

Letztlich muß ich zwar klar sagen Thema verfehlt, denn ich wollte ja ursprünglich die Sterne fotografieren, doch diese Nacht und Nebelaktion am dunkelsten Ort Deutschlands war wie unter einer Glocke sein, irgendwie weltentrückt.. . Es war wirklich eine sehr innig-intime Erfahrung. Und wer weiß, in einer sternenklaren Nacht wäre ich wahrscheinlich gar nicht so allein gewesen, andere hätten mich mit ihren Lampen genervt oder ähnliches..

 

Auf das Blackout der Nacht folgte dann ein fulminantes Whiteout am Morgen, es war rings um mich einfach nur weiß, was wiederum kaum Weitsicht bot. Später mit langsam durchdringendem Sonnenlicht gab es einige grandiose Naturszenen, die tausende Wasservögel schrien und kreichten, eine sagenhafte Kulisse. Aber zumindest konnte ich nun erahnen wo ich eigentlich war. Ja und so sieht die Welt dann ganz anders aus, mein innerlich leicht angespanntes Gefühl wich vollends der nicht abreißenden Neugier.

Irgendwann wieder im Auto machte ich immer wieder Stops um das Licht in den Nebelschwaden einzufangen, die grandiose Havellandschaft der Vormark, bzw. Prignitz zu bestaunen. Es gibt dort überall Kanäle mit tollen alten Bäumen an den Ufern zu bewundern, Deich – und Schleusenanlagen. Nach 24 Stunden kam ich dann übernächtigt wieder zu hause an, nicht ohne unterwegs auch noch automatisch fotografiert worden zu sein, aber wie das so ist, das Bild kommt erst in ein paar Tagen mit der Post ;-) Bleibt noch zu sagen das die Nachtaufnahmen nur durch Zuhilfenahme künstlichen Lichtes entstehen konnten.

Nun also viel Spaß mit den Bildern und den unterschiedlichsten Lichtstimmungen wünscht euch euer dave..

Hier also die ganze Gallerie, ihr könnt mit den Pfeiltasten durchzappen, ganz unten gibt es dann noch etwas zur Technik ..

Mal noch was zur eingesetzten Technik : Zum Einsatz kam in der Nacht eine EOS 6D mit dem EF USM II 16-32mm f2.8, Der Einsatz ging über 4-5 Stunden, die Kamera war ständig klitschnaß. Gegen morgen streikte dann der Fokus der Linse, es war auch keine manuelle Scharfstellung mehr möglich. Zum Glück erholte sie sich zuhause wieder, zum Einsatz kam Tonentrocknungsgranulat. Desweiteren war dann ab morgens noch eine EOS 60D im Einsatz, wechselnd mit dem EF 50mm f1.4 und einem Tokina 11-16mm f2.8. Desweiteren Helfer wie Timer-Selbstauslöser, Stativ und einer Videoleuchte sowie 2 Kopflampen..Oft war es gar nicht so einfach die Kamera wiederzufinden ;-)

Gerade eingetroffen : B5 90 km/h auf 80’er Strekce – 10 EURO für 2 Bilder

5 Kommentare

  1. Karla

    Von Deinen Fotos bin ich immer wieder begeistert! Hab selbst erst nach langer Zeit wieder angefangen zu fotografieren. Dank Dir nehm ich die Kamera bald überall hin mit… deutet einiges auf Suchtverhalten hin.

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  2. Martin Leonhardt

    Hi Dave,

    muss sagen das motiviert mich doch nun sehr mal wieder Nachts aus dem Zelt zu huschen. Sind paar echt geniale Bilder dabei!

    Tschau Martin

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  3. barbara

    Super schöne Arbeit, Dave!! manchmal lauert so ein Thema auf einen, der es mit Hingabe ans Licht schleppt und staunen läßt…Danke, für eine ganz Zauber reiche Wanderung…

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  4. Birgit

    „Picjungle“ macht definitiv süchtig und Lust auf mehr…. war jetzt ca. zwei Stunden hier zu Gast und absolut überwältigt von diesen Aufnahmen/Videos…

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  5. axel

    Schön! !!!

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