Field Recording – Outdoor Tonaufzeichnung

Einfaches Field Recording

Zoom H2next Display

Die Aufnahme von Klängen außerhalb von Tonstudios bezeichnet man als Field Recording (Außenaufnahme) Dieser kleine Beitrag richtet sich in erster Linie an Leute die evtl. Lust haben neben ihrer Fotografie ein paar Tonaufnahmen als Erinnerung zu den Fotos mit aufzunehmen. „Atmos“ bringen einfach mehr Leben in eine Fotosammlung. Ich jedenfalls hatte schon früh das Bedürfnis meine Dschungelbilder auch mit Sound zu hinterlegen. Hier schreibe ich einfach mal meine Erfahrungen damit nieder. Villeicht interessiert das ja den ein oder anderen. Auf meiner Webseite findet man dann auch einige Diashow’s die mit Originalsound aus dem Regenwald hinterlegt sind.

Hier geht es zu einer Soundseite auf meinem Blog > Dschungelsounds zum Download

Auf unseren Touren in die Dschungelgebiete Südostasiens fotografiere und filme ich nicht nur, sondern nehme auch den Sound vor Ort auf. Meine Technik dabei hat sich über die Jahre stets verfeinert, sowohl in der Aufnahmequalität der Aufzeichnungsgeräte als auch in der eigentlichen Aufnahmetechnik. In diesem Beitrag soll es nicht um High-End Produktionen gehen, vielmehr möchte ich aufzeigen das Tonaufnahmen für den privaten Gebrauch auch mit einfachen Mitteln realisierbar sind.

Die Aufnahme – Probleme im Feld

Ich finde es sehr problematisch saubere Tonaufnahmen in der Natur zu bewerkstelligen, es gibt unendlich viele „Störfaktoren“ die nur schwer zu händeln sind. So sind es im Regenwald hauptsächlich Hintergrundgeräusche wie das Fallen von Tropfen die laut platschend auf Blätter fallen und unschöne „Knackgräusche“ in die Aufnahme bringen. Überall presente kleine Wasserläufe produzieren ein später nicht- bzw. schwer filterbares Rauschen und natürlich spielt auch hier der Wind in den Baumkronen eine Rolle. Selbstverständlich ist auch eine Aufnahme eines Urwaldbaches sehr reizvoll, möchte man jedoch die Geräusche der unzähligen Vögel, Frösche, Insekten etc. aufnehmen, stören diese Nebengeräusche eher.

Ahnlich verhällt es sich mit Aufnahmen in der Nähe von Straßen oder eventuellen Flugrouten. Diese Nebengeräusche sind auf Tonaufnahmen auch sehr ärgerlich, darum sollte man sich von diesen Stellen sehr weit entfernen. In den Dschungelcamps (meist mit Nationalparkbüro etc.) in Regenwaldgebieten die meist mit Forschungseinrichtungen o.ä. kombiniert sind kämpft man ärgerlicherweise oft mit Generatorenlärm. Oft tuckern die fetten Diesel 18 Stunden am Tag, an saubere Ton-Aufnahmen in der Nähe davon ist gar nicht zu denken. Meist, je nach Geländeform, sind diese auch noch in Entfernungen von 3-4 Kilomtern als leichtes Hintergrundbrummen auf der Aufnahme. Schon oft habe ich mich im Jungle darüber gewundert wie weit man diese noch wahrnimmt.

Um saubere Tonaufnahmen zu erhalten muß man sich weit von diesen „Störquellen“ entfernen. Natürlich ist es absolut notwendig sich selbst absolut ruhig zu verhalten, selbst geringste Nebengeräusche müssen später aus dem Material entfernt werden. Ich bin für meine Aufnahmen z.B. auch oft auf die Nacht ausgewichen. Das Aufnahmegerät sollte immer irgendwo sicher hingestellt werden, es gibt bspw. kleine Stative die dabei helfen sofern das Gerät ein Gewinde dafür bereitstellt. Aufnahmen direkt aus der Hand mit internen Mikros sind meist unbrauchbar da schon leichte Bewegungen etc. mit ins Mikro gelangen.

3 Klangbeispiel aus dem Dschungel

Sound Nr.1 „Gibbons am Morgen“ ist eine Aufnahme die mit einem Mp3 Player in 128 kbps in 22.050 Hz Mono Qualität aufgenommen wurden. Die Stereobreite habe ich durch Kombination von 2 Aufnahmen quasi virtuell erzeugt. Dabei achtete ich darauf als zweiten Sound eine reine Insektenkulisse zu wählen um den Gesang der Gibbons im Vordergrund zu behalten. Ich würde das einfach Pseudo Stereo nennen.

Sound Nr.2 „Gespensterzykaden am Abend“  ist eine Aufnahme die mit einer Kompaktkamera im Videomodus in Stereo gemacht wurde. Die Qualität entspricht in etwa der des 1 Soundbeispiels.

Sound Nr.3 „Nachtdschungel mit Käuzchen“ ist eine Aufnahme die mit dem Zoom H2n in 44.100 Hz und 24Bit gemacht wurde. Der Unterschied zu den vorherigen Beispielen ist recht gravierend. Der Sound wurde von mir lediglich komprimiert und mit einem leichten EQing versehen. Die Knallgeräusche stammen übrigens von Ästen oder Früchten die auf das Dach unseres Nachtverstecks im Wald fielen.

Here is the Music Player. You need to installl flash player to show this cool thing!

 

Die Technik – Prinzipielle Möglichkeiten

Um Tonaufnahmen in der Natur zu machen benötigt man nicht unbedingt teures Equipment. Ich selbst benutze zwar inzwischen einen Field- bzw. Handyrecorder der Firma Zoom, jedoch habe ich anfangs mit einfacheren Methoden experimentiert. So bieten bspw. viele MP3-Player, oder auch Smartphones die Möglichkeit zu Tonaufzeichnungen. Natürlich kann man von diesen keine High-Quality Aufzeichnungen erwarten, jedoch sind die Resultate geräteabhängig durchaus für bestimmte Verwendungen zu gebrauchen. So ist zum Beispiel die eigene Bildershow im WEB wesentlich authentischer, hinterlegt man eine Diashow mit den dazugehörigen Umgebungsgeräuschen. Dazu ist nicht unbedingt eine Aufnahme in Stereo mit CD Qualität (Sampelrate 44.100 Hz und 16 Bit Datentiefe) notwendig. Es bieten sich hier tatsächlig viele einfachere Qualitäten an, so können wir mit einer MP3 Qualität von 128 kbps in 22.050 Hz und Mono durchaus schon etwas anfangen, darunter fällt die Qualität dann allerdings drastisch bis ins Unbrauchbare ab (Telefonsound). Speziell wenn man seine Aufnahmen später nachbearbeitet (was eigentlich immer erfolgen sollte) und Soundcollagen erstellt können so auch Aufnahmen mit nicht so hoher Auflösung Verwendung finden.

Eine meiner Varianten für Tonaufzeichnungen war einfach die Videofunktion einer Kompaktkamera zu nutzen. Einige Modelle bieten da recht gute Stereoqualität, aber natürlich ist das eigentlich nur eine Behelfsoption, da wir damit Datenmengen produzieren die wir eigentlich gar nicht benötigen und die Qualität der Tonaufzeichnung o.g. MP3 Qualität kaum übertrifft. Deswegen habe ich dann die Videoqualität stets auf die geringste eingestellt, jedoch nicht ohne vorher zu testen ob der Ton davon dann auch betroffen ist. In meinem Fall (Canon Powershot 590 IS) war das jedoch nicht so. Zuhause kann man dann den Ton mittels einer Videobearbeitungssoftware vom Filmmaterial trennen und diesen zum späteren Gebrauch separat z.B. als MP3 abspeichern und nachbearbeiten.

Beispiel – Flash Diashow mit Sound

 Diashow mit Sound (Neue Seite öffnet sich)

 

Wenn man wie ich mit einer digitalen Spiegelreflexkamera (DSLR) filmt hat man natürlich auch dort Ton dabei, dieser unterscheidet sich in der Qualität bei den Modellen teilweise sehr stark. Meine EOS 550D bspw. liefert mit einem angeschlossenen Mikrofon recht brilliante Stereo Aufnahmen, das interne Mono-Mic kann da leider nicht mithalten. Leider fehlen im Betriebsprogramm der Kamera Tools zur Aussteuerung oder Messung des Pegels. Eine automatische Aussteuerung übernimmt dann diese Arbeit. Auch hierbei ist zu beachten das aus der Hand gedrehter Film mit Sicherheit etliche unerwünschte Nebengeräusche enthalten wird. Dies gilt erst recht versucht man mittels des Autofukus die Schärfe während des Dreh’s nachzuführen. Die Pumpgeräusche des Kontrastautofokus überlagern die anderen Umgebungsgeräusche meist vollständig.

Da wir hier schon einmal beim Thema Aussteuerung waren, möchte ich euch gern empfehlen diese nach Möglichkeit immer von Hand vorzunehmen. Verlässt man sich auf eine automatische Aussteuerung werden etwaig plötzlich in der Nähe auftretende Geräusche vom Recorder neueingepegelt, was dann bei lauteren Geräuschen zu einem proportional runtergepegelten Grundsound führt. Diese Aufmahmen sind dann immer unschön anzuhören. Bei Tonaufnahmen in der Natur pegel ich die Grundgeräuschkulisse immer von Hand um die – 8bis -10 DB ein. Damit ist für plötzlich lautere Geräusche (z.B. kreichend vorbeifliegende Vögel o.ä.) immer noch genug Reserve nach oben. Grundsätzlich sollten bei digitalen Aufnahmen Pegel von 0 DB nicht überschritten werden. Was analoge Bänder schon noch einmal verziehen haben ist in der digitalen Welt ein fürchterlich verzerrtes Signal welches auch einfach an der 0 DB Marke gekappt wird.

Auf die Möglichkeit Tonaufzeichnungen mit dem Laptop, externen Mikrofonen und Recording Interface zu machen möchte ich hier nur kurz hinweisen da sich dies auf langen Treckingtouren für uns als nicht realisierbar herausgestellt hat (Probleme: Gewicht, Akkukapazität etc.) Weiterhin sind mit den modernen Smartphones Tonaufnahmen möglich. Viele Hersteller bieten eine inzwischen unüberschaubare Menge an Apps dafür an.

 

Der Zoom H2next – Das Hosentaschenstudio


Seit einiger Zeit benutze ich unterwegs nunmehr einen kleinen handlichen Handyrecorder. Der Zoom H2n ist ein sehr kompaktes und durchweg als gut beurteiltes Gerät das durch sein unschlagbares Preiß/Leistungsverhältnis glänzt. Er wird in die Klasse der PCM (Puls-Code-Modulation) Recorder eingeordnet. Das Gerät besitzt insgesamt 5 interne Mikrophone die unterschiedlichst kombiniert werden können.

Die Ausrichtung der internen Mikrophone ist wie folgt möglich:

Stereo über die 3 Frontmikrofone

Dabei kann die Breite der Stereobasis stufenlos von 150 Grad bis zu einer Richtung auf 0 Grad (Mono) eingestellt werden. Diese Einstellung benutze ich für „Atmos“ fast ausnahmslos. (Atmos – Allgemeine akustische Beschreibungen eines bestimmten Ortes)

Hat man bspw. einen interessanten Vogel o.ä in der Nähe kann man diesen direkt anpeilen. Um die Geräuschkulisse des Dschungels aufzunehmen benutze ich im Allgemeinen eine sehr breite Stereobasis. Für diesen Modus gibt es dann auch noch die Möglichkeit zur RAW Aufzeichnung, man kann dann später die Stereobreite stufenlos einstellen.

Desweiteren sind möglich :

2 & 4 Kanal-Sourround Aufnahmen mit den Front-und Rückmikros, Aufnahmen in Stereo mit den rückwärtigen Mikros im 90 Grad Winkel besonders für die Aufnahme von Musik Solisten, Interviews etc.

Qualitäten :

Aufnahmen sind mit 44.1 / 48 / 96 KHZ mit 16 /24 Bittiefe im Format WAV möglich. Natürlich kann auch gleich im MP3 Format recordet werden. Dafür steht wiederum die Abtastrate von 44,1 KHZ mit Komprimierungen von 48 – 320 kbps zur Auswahl. Ich nehme in der Regel mit WAV 44,1 KHZ und 24 Bit Abtastrate auf. Das ist ein guter Kompromiss zwischen der Qualität und Datenmenge. Zum Vergleich : Eine Audio CD liefert 44,1 kHz in 16-Bit.

Der Recorder kann schon während der Aufnahme mit Filtern zur Reduzierung von Störgeräuschen betrieben werden. So hilft ein Low Cut Filter bei der Abminderung von Wind- und Poppgeräuschen. Weiterhin bietet er die Möglichkeit das Eingangssignal von vornherein mittels eines Kompressor / Limiter zu komprimieren. Damit kann man in Situationen mit großen Lautstärkeunterscheiden die Signale einander angleichen. In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf die Verwendung eines Windschutzüberzuges direkt am Gerät hinweisen. Ich selbst nehme übrigens bis auf den physischen Windschutz fast nur PUR auf, alle Bearbeitungen der Aufnahmen erledige ich später mit einem Sound Editor. (siehe bald folgenden Beitrag Nachbearbeitung)

Man kann das Gerät selbstverständlich auch als USB Soundinterface für den Computer benutzen, weiterhin ist der Zoom auch für die Montage auf einer Kamera als externes Mikrofon geeignet. Da ich keine Lust habe zu viele Geräte mit auf meine Touren zu nehmen, habe ich ihn auch schon als MP3-Player benutzt. Dafür ist es sinnvoll sich eine separate SD Karte mitzunehmen auf die man vorher seine Songs kopiert. Dafür sollte die Karte zuerst einmal direkt mit dem Zoom formatiert werden, somit hat man dann auch die Ordnerstruktur die der Player zwingend benötigt. Dann stehen einem 10 Ordner zur Verfügung in denen man die MP3 Stücke ordnen kann. Natürlich ist die Bedienbarkeit nicht speziell dafür ausgelegt, mir gefällt es trotzdem besser als ein weiteres Gerät im Gepäck zu haben welches ja dann auch immer alles Zubehör wie Ladegerät, USB Kabel etc. benötigt. Der Recorder ist übrigens auch mit einem Rund-Um Zuberhörpaket erhältlich. Dieses enthält dann u.a. einen Windschutz, Stativ und eine sehr praktische Fernbedienung.

Ausführlicher Testbericht Zoom H2n mit Klangbeispielen

Testbericht – Vergleich Zoom H2 mit Zoom H2n

Externe Mikrofone :

An dieser Stelle sei bemerkt das die Qualität der Aufnahmen mit der Güte der eingesetzten Mikrofone steht und fällt. In Handyrecorder verbaute Mikros stellen immer einen Kompromis dar. Die Qualität der eingesetzen Mikros ist jedoch heute auf einem sehr hohen Niveau angesetzt. Natürlich kommen diese nicht mit High End Produkten namhafter Hersteller mit. Da dieser Beitrag sich jedoch eher an Einsteiger in diese Materie richtet möchte ich auf die Nutzung externer Mikrofone hier nicht weiter eingehen. Im Netz und der allgemein bekannten Fachliteratur gibt es unzählige Beiträge dazu. Schaut euch doch z.B.einfach mal auf dem folgenden Link um, dieser bietet einen ganz ordentlichen Einstieg in die Materie : Stereo-Mikrofone – Vergleichstest

Galleriebilder

 

Im 2. Teil zu diesem Thema geht es dann um meine Erfahrung mit der Nachbearbeitung des aufgenommenen Materiales, über folgendes werde ich Berichten : –Pegel / Normalisierung, – EQing, – Filter, – Schnitt, – Montagen, – Veröffentlichung / Kombination mit und auf Webseiten

 

Episode im Teil2 – Verfluchte Störquellen! Hier am Ende des Artikels werde ich einmal noch eine kleine Episode zu meinen Tonabenteuern anhängen, diese zeigt welche Störquellen sich noch so auftuen können ;-)

5 Kommentare

  1. Mario von Gollaz

    Hallo Dave, wie sieht es denn mit Sprachaufnahmen aus? Gibt es dafür Soundbeispiele?
    Mario von Gollaz

    Antworten
  2. Gerhard

    2.7.2013
    Hallo David,
    hab durch Zufall Deine Seiten gefunden, konnte aber aus Zeitgründen nur kurz reinschauen, dabei fiel mir Folgendes auf: Für den Hörgenuss sind Filter und MP3 ok. Für spätere bioakustische Auswertungen sind solche Aufnahmen leider wertlos. Hier sind nur möglichst unverfälschte, unverzerrte Aufnahmen verwendbar, die mit Formaten ohne Datenkompression abgespeichert wurden.
    Beste Grüße
    Gerhard Jahns (g.jahns@tu-bs.de)

    Antworten
    1. vondave (Beitrag Autor)

      Hallo Gerhard,
      das kann ich mir sehr gut vorstellen, ich nehme meine Sounds eigentlich nur zum Zwecke der Videonachvertonung etc. auf, mir kommt es nicht so sehr
      auf wissenschaftlich exakte Frequenzgänge etc. an.
      Kann mir eigentlich auch nicht vorstellen das für solche Aufnahmen ein Zoom H2N benutzt wird..
      Kenne jemanden der proffesionell daraußen ist um bspw. Dschungelsounds aufzunehmen,
      der hat ‘nen ziemlich großen Tascam dabei und ne Kiste Mikros..

      Liebe Grüße aus Berlin

      Antworten
  3. René

    Hey, danke für deinen Test, was mir aufgefallen ist, dein Blog läuft in der Zukunft :) Check mal den Code für deine datumsanzeige.

    Vielleicht ist es dir ja möglich spontan mal etwas zu testen. Und zwar, wie sich die unterschiedlichen Aufnahmemodis (MS, 2CH, XY) bei einem Feuerwerk verhalten.

    LG, René

    Antworten
  4. Penny Imes

    Thats good, your blog is cool, i like it. Thanks for the efforts my friend.

    Antworten

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